Pfarrkirche St. Anna in Birkland

Der Wessobrunner Bandwerkstuck stammt aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Hervorzuheben sind weiterhin prachtvolle Scagliolaltäre von D. Zimmermann.

Die Kirche ist tagsüber geöffnet.

Pfarramt Wessobrunn  Prof. Dr. Mayer

Pfarrer Birkland       Prof. Dr. Mayer     Telefon 08869 - 1488

Geschichtliches:

Über den Ursprung der Kapelle, die heute noch als Chorraum erhalten ist, steht im Pfarrarchiv auf einem Blatt vom 8. Mai 1815:

"Die Kirche zu St. Anna in Pürkland wurde nach Kloster-Pollingischen Urkunden um das Jahr 1500 ohne Zweifel durch freiwillige Beyträge der dortigen Gemeinde erbaut, und eine Glocke daselbst führt noch die Aufschrift: Sebolt goß mich anno 1500".

Die genannte Glocke hängt seit 1990 unter der Empore. Sie wird zum festlichen Einzug angeschlagen.

Wann der Turm erbaut wurde, ist nicht bekannt. In einem Schreiben vom 25.3.1879 wird gesagt:

"1. Hat der Kirchturm in Birkland bei Erbauung einer Kapelle und der Erweiterung derselben zu einer Kirche schon bestanden, indem sein Alter in das graue Altertum zurückreicht und Dr. Sepp erklärt ihn für einen Römerturm".

Der genannte Dr. Sepp war Professor für Bayerische Geschichte in München und Besitzer des Klosters Wessobrunn von 1861 bis 1909.

Es ist auch nicht geschrieben, wann die Kapelle mit einem Langhaus versehen wurde. In einem Schreiben von 1894 wird für den Anbau "Ende des 17. Jahrhunderts" angegeben; das wäre etwa zwischen 1680 u. 1700. Ebenso heißt es 1894: "Seit dem Jahr 1727 ist laut einer am Chorbogen angebrachten Inschrift das Langschiff der Kirche nicht mehr restauriert worden, während derChor ... vielfache Umgestaltungen ... erfahren musste". Der Hochaltar von Dominikus Zimmermann trägt die Jahreszahl 1715. Demnach wurde damals einiges umgebaut, vielleicht auch angebaut.

Nach der Säkularisation kam es zur Abtrennung von der bisherigen Pfarrei Apfeldorf und schließlich zur Gründung einer eigenen Pfarrei. Im Jahr 1807 wird vom Landgericht Schongau der Vorschlag gemacht, die Filiale Birkland zu einer "stabilen Caplaney" zu erheben, so dass dort ein Kaplan von Apfeldorf die Seelsorge ausübt. Nachdem die Frage der Wohnung und des Unterhalts für den Priester und den Schullehrer, der zugleich Mesnerdienste zu verrichten hatte, geregelt war, konnte das Königl. General-Comissariat am 30. November 1808 mitteilen, dass "Seine Königliche Majestät in ... allerhöchster eigenhändig unterzeichneter Entschließung vom 12. Nov. allergnädigst genehmigt haben, dass die Filiale Birkland zu einer Expositur erhoben" werde.

Der 12. Nov. 1808 gilt als der Tag der Erhebung zur Expositur. Nach damaligen Rechtsverhältnissen war für einen solchen Akt nicht der  Bischof zuständig, sondern der König.

Im gleichen Jahr wurde auch der Friedhof angelegt, nachdem das Landgericht Schongau am 21. März 1808 mitteilt, dass "für die Gemeinde Birkland ein eigener Begräbnisort zu St. Anna angeordnet werden darf. In einem Grundsteuer-Kataster wird gesagt: "Der Kirchhof wurde im Jahr 1808 von Jakob Berchtold auf der Aich unentgeltlich überlassen".

Der Bischof konnte nur anordnen, welche Bindungen an Apfeldorf weiterhin bestehen sollten. Darüber wird in einem Schreiben an den König Klage geführt, weil an den hohen Festtagen die Leute weiterhin zum Gottesdienstbesuch in Apfeldorf verpflichtet waren und der Priester oftmals dort zur Frühmesse und zur Beichte anwesend sein musste.

Die Erhebung zur Pfarrei erfolgt mit Schreiben von König Ludwig (dem I.), das vom Landgericht Schongau mitgeteilt wird: "Ludwig. Auf euren Bericht vom 7. Febr. h(eurigen) J(ahres), dessen Beilagen im Anschluß zurückfolgen, finden Wir uns bewogen, die bisher zur Pfarrey Apfeldorf, Landgericht Schongau, gehörige Kuratie Birkland hiermit zu einer selbständigen, mit pfarrlichen Rechten und einem eigenen Siegel bekleideten Pfarrei zu erheben. Bad Brückenau den 21. July 1840. Ludwig".

Daraufhin teilt die Königl. Regierung von Oberbayern, Kammer des Innern, am 9. Sept. 1840 über das Landgericht Schongau mit. dass das Pfarramtssiegel für Birkland nunmehr und gegen Entrichtung des Preises von 2 fl. (Gulden) erholt werden könne.

Es folgen später noch kleinere Ergänzungen der Pfarrei. Am 16. Okt. 1877 werden vom Bayer. Staatsministerium des Inneren umgepfarrt die Anwesen von Anton Schölderle auf der Wiese und Martin Habarsetzer von Hohenbrand nach Birkland.

In gleicher Weise wird am 21. Jan. 1896 das Anwesen von Markus Baab, Nr. 131, nach Birkland umgegliedert. Mit der Erhebung zur Pfarrei zeigt sich bald, dass die bisherige Kirche zu klein ist und vergrößert werden muss. 1843 wird beantragt, einen Anbau an die Kirche, 14 Schuh an der Westseite, zu machen.

Am 22. Mai 1845 erklärt der Tafernwirth Joseph Schlaucher, "dass er zur Verlängerung der Kirche seinen auf der westlichen Seite derselben ruhenden Grund und Feldflurweg nach Bedarf des Baues der Kirche unentgeltlich überlasse, jedoch mit dem Bemerken, dass noch ein ordentlicher Gangweg vor dem Eingang der Kirche vorbeiführe".

Vorliegende Baupläne zeigen den bisherigen Zustand der Kirche mit zwei Fenstern und einem Rundfenster im Schiff. Das Bild des Wessobrunner Malers Sebastian Jaud (1751-1824) an einer Tür im Pfarrhof zu Apfeldorf zeigt die Kirche im damaligen Zustand.

Am 17. Aug. 1848 legt Pfarrer Hammerschmid die Notwendigkeit der Baumaßnahme dar, die von Apfeldorf in Frage gestellt war. Die Maßnahme wurde offensichtlich im Jahr 1849 durchgeführt.

Am 31. Mai 1850 schreibt das Landgericht Schongau: "Es ergeht hiermit die Nachricht, daß die K. Regierung durch Entschliessung vom 7. März d. Js. die Kosten a) für die Tieferlegung des Pflasters mit 37 fl. 14 x, b) für Erneuerung des Rostes unter den Kirchenstühlen mit 50/54 auf die Gesamtkosten für die im vorigen Jahre an der Pfarrkirche vorgenommene Hauptreparatur übernehme, was dankbar anzuerkennen ist. ... An den Kosten treffen 617 fl. 50 x auf das k. Aerar" (werden also vom Staat übernommen).

Gleichzeitig mit der Vergrößerung der Kirche gehen weitere Maßnahmen einher, die allein von der Pfarrei finanziert werden mussten: Vom 1.9.1848 liegt ein Entwurf u. Kostenvoranschlag vor für eine neue Orgel von Orgelbauer Georg Beer, Erling.
Dann geht es um die Innenausstattung der Kirche. Es liegt vor ein Kostenvoranschlag vom 26. Aug.1848 über "Reparation der 3 Altäre, Kanzel und Kreuzwegstationen", dann ein Auszug aus den Rechnungen von 1849/50 u. 1850/51. wo genannt sind: Stukkatur-, Glaser-, Schlosser-, Schreiner-, Zimmermann- u. Maurerarbeiten

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Es folgen die Anschaffung von Blitzableitern für Kirche, Pfarrhaus u. Schulhaus (1857), von Kirchenstühlen für die schulpflichtige Jugend (1859), Kirchenstühlen auf der Emporkirche (1877) und die Erneuerung des Kirchturmdaches (1878-1880).

Am 3. Sept. 1882 genehmigt das Königl. Bezirksamt Schongau die Verlegung der Orgel u. Vergrößerung der Empore. 1894 wird unter Pfr. Kraker von Rott eine Innenrestaurierung vorgenommen. Grundlage ist ein Kostenvoranschlag von Maler Stegmüller, Schongau. Pfr. Kraker hebt am 20. Okt. 1894 hervor: die zarte Farbgebung, die geschickte Fassung des Hochaltares u. Tabernakels, die Ornamentik des Chorbogens und die neuen Gemälde an der Decke von Maler Stegmüller.

Wiederum erweist sich die Kirche als zu klein. Am 23. Jan. 1909 wird bekannt gegeben, dass Pläne und Kostenvoranschläge für eine Erweiterung der Kirche zur Einsichtnahme im Gemeindezimmer aufliegen. Die Seelenzahl sei von 260 im Jahr 1849 auf 500 angewachsen. Die Kirche habe nur 144 Sitzplätze. Am 29. Juli 1911 wird mitgeteilt: "Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold, des Königreichs Bayern Verweser, habe den vorgelegen Plänen ... die Allerhöchste Genehmigung allergnädigst zu erteilen geruht".

Es wird der Boden der ganzen Kirche um 40 cm abgesenkt, neue Seitenwände werden aufgemauert, die alte Stuckdecke gehoben, der Dachstuhl neu gemacht. Dazu kommen Verputzarbeiten außen und innen sowie neue Fenster. Am 4. Nov. 1912 sind die Arbeiten größtenteils ausgeführt.

1912 werden auch die Pläne für die Kommunionbank u. den Beichtstuhl vorgelegt. Die Stuckarbeiten werden von Fritz Wirth", Augsburg, ausgeführt. Pfarrer A.Schneller rechnet die Gesamtkosten auf 34.534 Mark.

1916-1917, also im l. Weltkrieg, folgen unter Pfr. Anton Mendler weitere Maler- u. Vergolderarbeiten von Wirth.

1934-1935 kommt es unter Pfr. Andreas Hösle zu einer größeren Innenrestaurierung, die noch heute das Aussehen der Kirche bestimmt. Für die Stuckarbeiten wird Josef Schnitzer aus Buching beauftragt, für die Bilder Kunstmaler Gustav Kuttruff, Esting. Am 12. 7. 1935 sind die Arbeiten abgeschlossen. 1936 wird von Kuttruff ein Kreuzweg gemalt, die Rahmen schnitzt u. vergoldet Franz Hartmann, Kirchenmaler in Buchloe.

Außeninstandsetzungen erfolgen unter Dekan Josef Schmolz 1957-58 mit Erneuerung der Zifferblätter u. des Blitzableiters und dann sehr umfangreich 1978-79. Wegen starker Feuchtigkeitsschäden wird der Westgiebel neu Fundiert u. verschindelt, die drei Fenster im Westen werden geschlossen.

Bei der Innenrestaurierung von 1990 wurde durch Fa. Dreyer, Ottobeuren", der Stuck gereinigt u. erneuert; von Fa. Sattler, Scheuring, wurden die Farbfenster im Chor wieder eingesetzt, die 1934 beseitigt worden waren. Von den Gesamtkosten von DM 287.897.- wurden DM von der Gemeinde 30.000.-, vom Landkreis 5.000.-, vom Bezirk 20.000.-, vom Amt für Denkmalpflege 23.000, dazu 13.000.- für die Farbfenster, von der Bayer. Landesstiftung 15.000. von der Diözese aus Kirchensteuermitteln 67.000.-übernommen. Der Rest von 114.897.- war aus Spenden u. Eigenmitteln aufzubringen.

1993 werden die Altäre durch Fa. Fischer, Buching, u. Dreyer gereinigt und ergänzt zu geschätzten Kosten von DM 95.000.-

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II. Führung
Das wertvollste Stück unserer Kirche ist der Hochaltar, der von dem berühmten Kirchenbaumeister Dominikus Zimmermann (1685-1766), dem Baumeister der Wieskirche, stammt. Sein Großvater zog 1641 als Bäcker von Birkland nach Wessobrunn. Der Altar ist signiert: "Dominicus Zimerman. gebirdig von Wesobrunn. Anno 1715".

In sogenannten Scagliolaarbeiten, bei denen die Bilder in den feuchten Gips sehr rasch hineingearbeitet werden, hat er Maria dargestellt als die Frau, die der Schlange den Kopf zertritt, mit dem Blumenkranz der Wessobrunner "Mutter der Schönen Liebe". Dazu kommen noch Blumenmotive in höchst zierlicher, kunstfertiger Art. - Das Altarbild ist auswechselbar für
Weihnachten. Fastenzeit u. Ostern. Das Jahr über zeigt es die Kirchenpatronin, die hl. Mutter Anna, die ihre Tochter Maria in der Heiligen Schrift unterweist.

Von wem der Stuck im Chorraum und die beiden Seitenaltäre stammen, geht aus den Akten nicht hervor. Die Bilder wurden erst 1935 von Gustav Kuttruff, Esting, gemalt: am linken Seitenaltar der hl. Martin, wie er für den Bettler den Mantel teilt, am rechten Altar der hl. Stephanus, der erste Märtyrer der Kirche.

Die Bilder darüber zeigen Heilige des bäuerlichen Lebens, links die hl. Notburga mit der Sichel, rechts - auf der Männerseite den heiligen Wendelin, ebenfalls von Kuttruff gemalt, wie auch die übrigen Bilder.

An der Decke im Chor weisen die gelblichen Bilder mit der Geiselsäule und mit dem Schweißtuch Christi hin auf das Leiden des Herrn, das in jeder Messfeier in Erinnerung gerufen wird, das Bild auf grauem Hintergrund mit der Monstranz auf die Gegenwart Jesu in der heiligen Brotsgestalt, wie sie im Tabernakel aufbewahrt wird.

Während vom Chorbogen Maria als Himmelskönigin mit Krone und Jesuskind herunterschaut, verherrlichen die Bilder an der Decke des Langhauses die Kirchenpatronin, die hl. Mutter Anna:

  I.  Bei der Geburt Marias,
  II. als Fürbitterin (eine S-Linie führt von Anna über Maria zu Jesus, Gott-Vater u. zum
    Hl. Geist, unten Birkland),
  III. beim Tod Annas, wo Maria mit dem Jesuskind und dem hl. Josef dabeistehen.


Die acht Medaillons am Deckenrand führen die Lebensgeschichte Annas, wie sie in einer frühen Schrift der Christenheit, geschildert ist, vor Augen:
Anna u. Joachim stammen aus dem Geschlechte Davids und führen ein gottesfürchtiges Leben. Nach ihrer Hochzeit teilen sie ihr Vermögen und geben Almosen den Armen (2. Bild links). Sie haben leider kein Kind, was als Schande und Strafe Gottes galt. So weist der Priester die Opfergabe Joachims im Tempel zurück (links vorne). Voll Scham flieht Joachim ins Gebirge zu den Herden. Nach 20 Jahren des Gebetes erscheint dem Joachim in der Wüste und gleichzeitig der weinenden Anna ein Engel mit der Botschaft, dass Gott ihr Gebet erhört habe (2. Bild rechts). In großer Freude eilen die beiden zum Tempel u. treffen sich an der Goldenen Pforte (l. Bild rechts). Nach drei Jahren bringen sie ihr Kind in Erfüllung eines Gelübdes zum Tempel (3. Bild links). Das 3. Bild rechts zeiqt Joachim u. Anna mit der jugendlichen Maria bei den Herden, dahinter das 4. Bild Anna und Joachim bei Marias Vermählung mit Josef und das 4. Bild links Anna mit Maria u. Jesus, "Anna Selbdritt".

Die Bilder an der Emporebrüstung zeigen den hl. Apostel Andreas in Erinnerung an
Pfr. Andreas Schneller, der 1912 die Kirche vergrößert hat, und wohl auch an Pfr. Andreas Hösle, der 1935 bei der Restaurierung hier war: Die Berufung des Andreas u. Petrus am Meer - Andreas liest im Buch - Tod des hl. Andreas an dem sogenannten Andreaskreuz (X).
An der 2. Empore ist die hl. Cäcilia, die Patronin der Kirchenmusik mit musizierenden und singenden Engeln. Über der Orgel erscheint das Schriftband "Ehre sei Gott in der Höhe". An der Orgel stehen die Worte: Domino canam (Dem Herrn will ich singen) und Psalam Domino (Den Herrn will ich preisen). Die Orgel wurde 1913 von der Firma Siemann & Co., München, erbaut und am 29. Nov. eingeweiht. Sie ist der Spende eines einzigen Wohltäters zu verdanken.

Zur übrigen Ausstattung der Kirche gehören die beiden Farbfenster mit der hl. Afra und dem hl. Ulrich von 1912, die 1935 ausgebaut wurden. Der Kreuzweg wurde von Gustav Kuttruff in der Spitalkirche in Füssen kopiert. Die Rahmen schnitzte und vergoldete Kirchenmaler Hartmann, Buchloe.

Im Chor ist links vorne Maria als Königin mit Krone u. Szepter, dazu das Jesuskind mit der Weltkugel, rechts der hl. Josef mit dem Jesuskind. Beichtstuhl und Kommunionbank stammen von 1912. Im Langhaus sind links die Schmerzensmutter Maria und der hl. Rochus, der in Apfeldorf, der Mutterpfarrei, hochverehrt wird. Auf der rechten Seite gegenüber stehen die hl. Theresia von Avila mit pfeildurchbohrtem Herzen und Bruder Konrad von Altötting.

Das Kreuz der Kanzel gegenüber trägt die Inschrift: "Dieses Kreuz, der Überlieferung nach vom Riedhof (St. Vigilien) stammend, wurde von den Bauersleuten Michael und Katharina Deininger vom Haus Moosegg Nr. 50 im Jahre 1920 in die Pfarrkirche (St. Anna) zu Birkland geschenkt".

Hinten wurde die Glocke von 1500 aufgehängt, die als einzige die Vernichtung der Glocken in zwei Weltkriegen überstanden hat. Von den drei Glocken, die 1858 angeschafft wurden, mussten 1917 zwei abgeliefert werden. Das neue Geläut von 1927 mit fünf Glocken sei eines der schönsten in der Gegend gewesen sein. 1942 mussten alle fünf abgeliefert werden. 1950 wurden für DM 28.863 wieder fünf Glocken gekauft mit den Tönen cis-e-fis-gis-h und den Namen l. Mutter Anna, 2. Herz-Jesu, 3. St. Michael, 4. St. Stephanus, 5. St. Leonhard.

Der Pfarrhof von 1808 soll in nächster Zeit restauriert werden, so dass unten Diensträume, oben eine Wohnung eingerichtet werden. Über das frühere Gemeindezimmer wird erst entschieden. Dieser Raum war ursprünglich das Schulzimmer. Die Lehrerwohnung war im unteren Stock, Pfarrwohnung u. Amtszimmer waren oben. Wegen Platzmangel wurde 1859 ein neues Schulhaus erbaut, das 1990 zugunsten der Friedhoferweiterung abgebrochen wurde. Am 30. Juni 1991 wurde der neue Teil des Friedhofs eingeweiht und zugleich die Kreuzigungsgruppe mit Maria u. Johannes aufgestellt, die früher am Wäldchen gegenüber stand und die Jahreszahl 1898 trägt. Das Gefallenendenkmal über der Straße wurde nach dem Krieg von 1870/71 aufgestellt, 1921 mit den knienden Soldaten für die Gefallenen des l. Weltkrieges und nach 1945 für die des 2. Weltkrieges erweitert

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Zur Baugeschichte des Pfarrhofs in Birkland

 In einem Akt "Beschrieb der Curatie Birkland" hat Pfarrer Ubald Zwerger von Apfeldorf 66 Aktenstücke abgeschrieben, die sich auf die Gründung der Pfarrei Birkland von 1804 bis 1820 beziehen. Es liegt bei eine "Historische Zusammenstellung der vorzüglichsten Acten , welche sich bei Errichtung der Expositur Pirkland vom ersten Anfang an bis jetzt ergeben haben - verfaßt im May 1813 von Ubald Zwerger, Pfarrer in Apfeldorf".

Im Aktenstück Nr. 3 ist unten vermerkt: "P. Ubald Zwerger C.R. von Polling kam 1796 nach Apfeldorf". Er war also Chorherr im dortigen Augustinerchorherrnstift und hat in Apfeldorf, das zu Polling gehörte, die Seelsorge ausgeübt. Auch nach der Klosteraufhebung blieb er dort.

Bei Nr. 1 ist der erste Text überschrieben: "Bemerkungen des Pfarrers v. Apfeldorf Ubald Zwerger bei Beschreibung der Filial Birkland i. J. 1804". Darin schreibt er, dass Birkland so zerstreut sei, dass es für die Leute schwer sei, zur Pfarrkirche nach Apfeldorf zu kommen. St. Anna liege zwar nicht in der Mitte, aber "am schönsten und schicklichsten Platze u. wäre großräumig genug, um für die Pirkländer zur Pfarrkirche zu dienen". So hat also er den Anstoß für die Gründung gegeben. Der Anlass für die Beschreibung der Pfarrei war wohl darin gegeben, dass nach der Klosteraufhebung zu überlegen war, was mit den bisherigen  Klosterpfarreien zu geschehen habe. Die Tendenz der Zeit ging darauf, dass möglichst viele Pfarreien gegründet werden sollten. Die Säkularisation war klosterfeindlich, aber nicht direkt kirchenfeindlich. Den Gedanken der Aufklärung entsprach es, dass möglichst viele Pfarreien entstehen sollten, durch die auch die Bildung verbessert werden sollte.

Pfarrer Zwerger schreibt weiter: "Man wird freilich die Volksmenge zu gering finden, weil das ganze Pirkland gegenwärtig nicht mehr als 290 Seelen zählt. Allein fir's erste könnte diese weitschichtige und lange nicht ganz kultivirte Gegend leicht einen merklichen Zuwachs an Bevölkerung erhalten", wie erst vor zwei Jahren eine neue Familie sich auf der Sägmühle ansässig machte.

"Wollte man größere Unkosten zu ersparen, einen ordentlichen Pfarrgottesdienst in der Filialkirche St. Anna von Apfeldorf aus durch einen Hilfspriester besorgen lassen, würden sich die Pirkländer allerdings sehr erleichtert fühlen". Es müsste ein Schullehrer da sein, der auch den Dienst des Mesners übernimmt^ Allerdings entginge damit dem Schullehrer und Mesner in Äpfeldorf wie auch dem Pfarrer ungefähr der dritte Teil der Stolgebühren.

Das Landgericht Schongau fragt am 26. Okt. 1807 an: "Wäre es nicht nötig, dass die Filial Birkland wenigstens zu einer stabilen Caplanei erhoben würde.  Ein Caplan könnte Pirkland versehen und wäre dann in Apfeldorf überflüssig".

 Dann kommt eine sehr seltsame Frage: "Wenn dieser Vorschlag nicht angenommen wird, soll das Kirchchen in Pirkland verkauft oder zu Schulmaterial verkauft werden und demolirt? Wohin ist das Material zu verwenden?"

Am 2. November 1807 antwortet Zwerger sehr ausführlich und betont, dass er schon im Jahr 1804 dafür eingetreten sei, diesen beträchtlichen Ort wenn nicht zu einer eigenen Pfarrei, so doch wenigstens zu einer Curatie-Lokal-Caplanei zu erheben. Auf die 2. Frage antwortet er: "Es wäre wohl ewig Schade, wenn man dieses schöne Gottesshaus zu was anderem, als wozu es bestimmt ist, verwenden wollte". Die Leute konnten bisher an den Sonntagen und gebotenen Feiertagen am Nachmittag zur Andacht zusammenkommen. Im Jahr hindurch war sechsmal feierlicher Gottesdienst. Wenigstens 60 heilige Messen wurden dort im Jahr gelesen. Alte und presthafte Personen konnten dort die heiligen Sakramente empfangen. "Zudem scheint mir die Filialkirche in Pirkland ein wahres Eigenthum der dortigen Gemeinde zu sein". Wenn man für weitere Zugeständnisse nicht bereit sei, solle man wenigstens einen Friedhof anlegen können, weil der Friedhof in  Apfeldorf ohnehin zu klein sei.

Die königliche Landes-Direction von Bayern antwortet am 6. Hornung (Februar) 1808, man gedenke keineswegs, die Kirche "zu demoliren, vielmehr sei man gesonnen, eine Expositur oder sogenannte stabile Kaplanei da zu errichten, und nicht nur für den Unterhalt eines Priesters zu sorgen, sondern auch einen jährlichen Beitrag für den Schullehrer, der zugleich Meßnerdienste" zu machen habe. "Für die Wohnung des Priesters sowohl als des Schullehrers hingegen sowie für die Zurechtrichtung eines Kirchhofes zu St. Anna müßte die Gemeinde selbst sorgen".

Am 24. März 1808 schreibt Pfr. Zwerger an das Bischöfliche Ordinariat Augsburg, dass die 48 Familien umfassende Filiale von Birkland die allerhöchste Zusicherung zur Errichtung einer Expositur habe. "Voll Freude über diese allergnädigste Zusage beschäftigt sich alles mit Herbeischaffung der erforderlichen Baumaterialien. Und der Platz für den künftigen Kirchhof ist bereits abgesteckt. Auch wird man nicht säumen, einen Tabernakel, Ciborium, Taufstein und was sonst noch zu solchen pfarrlichen Verrichtungen ... nothwendig sei, verfertigen zu lassen“.

Er stellt den Antrag zur Einweihung des Friedhofs und bittet, dass bei der weiten Entfernung des Dekanats Landsberg dem in Epfach wohnenden Prälaten vom Heiligen Berg Andechs die Einsegnung übertragen werde.

Am 26. März 1808 antwortet Augsburg, dass der Platz des Friedhofs mit einer Mauer umgeben werden müsse.

Am 19. April 1808 schreibt Pfr. Zwerger (nicht angegeben, an wen), dass die Seelsorge an der Filiale Birkland dem Hochwürdigen Herrn Johann Michael Mehrle übergeben werden solle, dem gegenwärtigen Kaplan, Säkular-Priester der Augsburger Diözese (also nicht aus einem Orden).

 Am 13. Mai 1808 berichtet Pfarrer Zwerger nach Augsburg, dass gestern die Friedhofmauer vollendet worden sei u. man  heute begonnen habe, für die Priesterwohnung den Grund zu graben, "weil der Bauplan von einer hohen Bau-Commission bereits gebilligt worden ist". Er bittet um Einweihung des Friedhofs.

Am 18. Mai 1808 erteilt der Generalvikar von Augsburg dem Dekan in Landsberg die Erlaubnis zur Einweihung, stellt es aber frei, die Vornahme dem Ortspfarrer Zwerger zu überlassen. So ist es dann geschehen (Schreiben vom 22.5.).

Am 7. Okt. 1808 schreibt das Landgericht Schongau an die "Königliche Pfarrei Apfeldorf", bereits am 29. April sei der Plan für das Wohnhaus von der Königlichen Provinzial-Bau Inspektion gekommen, aber es sei noch kein Priester bestimmt.

Am 30. Nov. 1808 schreibt das Königl. General-Comissariat des Illerkreises, am 23. des Monats habe der König eigenhändig unterzeichnet, dass die Filiale Birkland zu einer Expositur erhoben werden und der Hilfspriester von Apfeldorf mit dem Gehalt von 500 Gulden nach Pirkland als Expositus gesetzt werden soll.

Am 8. Dez. 1808 schreibt Pfarrer Zwerger an das Generalvikariat in Augsburg, der Pfarrhof sei bereits fertig und bewohnbar. Taufstein, Tabernakel, Ciborium und Zubehör seien schon da. Er wünsche dem gegenwärtigen Kaplan Johann Michael Mehrle, mit dem er in jeder Hinsicht bestens zufrieden sei, die Beförderung auf diese Expositur von ganzem Herzen. Er bitte nun um Weisung, in welchem Verhältnis die Expositur künftig zur Pfarrei Apfeldorf stehen soll.

In den Schreiben Nr. 21 bis 27 geht es um die Anstellung des Kaplans Mehrle als Expositus. In Nr. 22 schreibt Pfr. Zwerger: "Er ist kein Mönch, sondern war nur Novize im regulierten Chorherrnstift Rottenbuch und mußte bei Auflösung des Klosters austreten".

In Nr. 27 wird vom Landgericht Schongau gefragt, warum Mehrle noch nicht nach Birkland umgezogen sei. Er antwortet, er habe nicht aufziehen dürfen, weil die Besoldung noch nicht geregelt war, und nicht können, weil am Wohnhaus noch nicht alles fertig ist.

Am 15. März 1810 (Nr. 28) wird vom Landgericht  mitgeteilt, da Mehrle kein Klostergeistlicher sei, soll er als Expositus entlassen werden. An seiner Stelle solle einer aus der Klasse der Klostergeistlichen des Iller-Lech-Kreises oder des Isar-Kreises verwendet werden. (Der Grund ist der, daß diese Leute eine staatliche Pension erhalten). Bereits am 20. März (Nr. 30) bewirbt sich ein ehemaliger Pater aus Ettal, Ulrich Betz, der 5 Jahre in der Seelsorge in Rottenbuch u. ein Jahr in Schwabbruck ist, um die Stelle.

Am 21. März 1810 (Nr. 31) schreibt Pfr. Zwerger an die Gemeinde Birkland eine Reihe von Forderungen, die erfüllt sein müssen, dass ein Priester einziehen kann:
“Die Gemeinde muss den Anger beim Pfarrhof kaufen und  mit dem Aichbauer einen Vergleich machen wegen der Zufahrt. Sie hat versprochen, 6 Tagwerk Boden dem Geistlichen anzuweisen und muss erklären, was jährlich für die abgängigen Tagwerk an Butter oder sonstigen Naturalien gegeben wird und wer dies geben wird. Was beim Pfarrgebäude noch mangelt, muss hergestellt werden: Fenster, Ofen, herabgefallene Decke. Das Dach muss auch auf dem hinteren Teil doppelt mit Platten gedeckt werden. Ein Brunnen muss gegraben werden. Ein geräumiger Holzschupfen muss da sein, Backofen u. Waschküche. Zur Einzäunung eines Pflanzgartens hat die Gemeinde Bretter und Nägel zu liefern. Die jährlichen Baulichkeiten übernimmt die Gemeinde. Für die Brandversicherung muss die Gemeinde als Hauseigentümer den jährlichen Beitrag übernehmen.”

Am 28. März 1810 wird eine entsprechende Übereinkunft getroffen (Nr. 32).

Am 6.April 1810 wird von Pfarrer Zwerger der ehemalige Pater von Ettal Ulrich Betz für Birkland angestellt. Er erhält 500 Gulden vom königlichen Rentamt Schongau (Nr. 33). Der bisherige Schullehrer (in Apfeldorf) Rochus Graf wird Schullehrer u. Mesner (Nr. 34).

Am 6. April 1810 bittet der Pfarrer das Bischöfliche Ordinariat um das Recht, dass ein eigener Pfarrgottesdienst in Birkland gehalten werden darf (Nr. 35).

Am 14. August 1811 (Nr. 41) gibt das Bischöfliche Ordinariat Augsburg bekannt, welche Aufgaben der Expositus in Apfeldorf zu erfüllen habe: Eheschließungen bleiben bei der Mutterkirche in Apfeldorf. An höheren Festen hat der Expositus die Frühmesse in Apfeldorf zu halten; die Leute müssen an diesem Tagen zum Pfarrgottesdienst nach Apfeldorf gehen. An bestimmten Sonntagen und Festen muss der Expositus in Apfeldorf Beichte und Predigt übernehmen. Zur Beichtaushilfe muss er am Vorabend des Palmsonntags, des Gründonnerstags, des Rosenkranzfestes und des Seelensonntags in Apfeldorf sein.

Wegen dieser Auflagen wendet sich die Gemeinde Birkland an den König (Nr. 45, Datum fehlt) mit der Bitte um Erhebung zu einer selbständigen Pfarrei.

In den Nummern 47 bis 52 geht es um eine in Birkland gewünschte Trauung, obwohl das Recht dazu dem Pfarrer von Apfeldorf zusteht. Pfarrer Zwerger erlaubt die Trauung, verlangt aber die zustehende Stolgebühr.

Mit Datum vom 13. Juni 1812 (Nr. 52) berichtet Pfarrer Zwerger nach Augsburg, er habe die Erlaubnis zur Trauung gegeben, aber die Birkländer sollten sich auch an die Abmachung halten und an den hohen Festtagen nach Apfeldorf kommen. Nur fünf kommen noch, die anderen gehen zum Pfarrgottesdienst nach Forst, nach Schongau, Hohenfurch, Wessobrunn, nur nicht nach Apfeldorf.

Beim Pfarrhofbau meinten die Birkländer, sie müssten ihn nur hinstellen, den Unterhalt werde der König übernehmen. Deshalb war auch nicht alles sonderlich gut gebaut. Ein Festtag war die Einführung des ersten Expositus Ulrich Betz am 2. Mai 1810 von Apfeldorf her.

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Weitere Akten zum Pfarrhof

27.11.1850 neue Schlösser an manchen Türen, zwei neue Zimmerböden

06.01.1854 Plan für Wasch- u. Backküche unterhalb des Stadls

13.12.1857 neuer Abtritt für Schule, Lehrerwohnung u. Pfarrwohnung. Plan mit Einteilung der Räume dabei.

02.02.1859 Vereinbarung von Pfarrer Spring mit Gastwirt Schlaucher wegen Benützung des Brunnens im Pfarrgarten.

09.02.1859 vom Bischöfl. Ordinariat Augsburg: Antwort auf ein Schreiben des Pfarrers, dass er den Pfarrhof für sich allein benötigt und ein Schulhaus mit Lehrerwohnung gebaut werden müsse.

26.04.1859 wegen Vergrößerung des Schulraumes bzw. Verlegung auf die Südseite und wegen Reparaturen

02.10.1862 über Verlegung des Gemeindezimmers vom Pfarrhof in das Schulhaus, was Pfr. Doll beantragt hat: "... bemerken wir, daß das Pfarrhaus von der Gemeinde erbaut und von ihr stets unterhalten werden muß. Dieses Gebäude wurde sowohl für einen jeweiligen Pfarrer, als auch für einen Lehrer hergestellt und zwar so, daß der obere Theil des Hauses dem Herrn, und der untere dem Schullehrer zugeeignet sein soll". Wegen der größeren Zahl der Kinder war es notwendig, ein neues Schulhaus zu bauen, was zustande kam durch den vorherigen Pfarrer Spring, Herrn Josef Schlaucher ... im Jahre 1859 u. 1960. Es war vereinbart, daß das Gemeindezimmer im Pfarrhaus bleibt. Antrag an das Bezirksamt Schongau, daß das Zimmer bleibe. Unterschrieben von Gemeindeveraltung Birkland. 09.10.1871 v. Königlich Bayerischer Regierung von Oberbayern: Es bestehen keine Bedenken, daß die Tür von der Pfarrwohnung zum Gemeindezimmer zugemauert wird. Das Zimmer wird auch als "Wartzimmer" bes. im Winter benützt (die Leute konnten sich vor der Messe hier etwas aufhalten u. vielleicht wärmen).

1933  Pfarrhof-Umbau, Plan v. Hans Resch, Kinsau: Zimmer, Waschküche mit Bad im Keller, Kamin.

1938 Einbau einer neuen Küche u. Waschküche (erst jetzt gemacht, Plan von 1933 überarbeitet. Treppe geht jetzt bei Küche hinab, Bad fehlt.

(Der Text wurde freundlicherweise von Hans Schleich zu Verfügung gestellt)

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